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Alpaka-Schur in Peru: Handwerk, Rhythmus, Respekt

Alpaka-Schur in Peru: Handwerk, Rhythmus, Respekt

Von Eliana Jahnke-Aragon – Gründerin von Etiqueta Blanca

Du siehst ein edles Alpaka-Piece und fragst dich, wie der Weg der Faser beginnt? Die Antwort liegt in der Schur – einem jahrhundertealten Ritual der peruanischen Anden, das Tradition, Tierwohl und Handwerk vereint. Hier erfährst du, warum Alpakas geschoren werden, wann der richtige Zeitpunkt ist und wie Hirtenfamilien die Schur behutsam durchführen.

Warum Alpakas geschoren werden

Alpakas legen ein dichtes Vlies an, das vor Kälte, Wind und UV-Strahlung schützt. Ohne Schur würde das Fell zu schwer und zu warm. Scheren:

  • entlastet den Körper, verbessert Thermoregulation und Beweglichkeit
  • verhindert Verfilzungen und Hautprobleme
  • liefert die wertvolle, flauschig-weiche Faser für langlebige Textilien

Kurz: Die Schur dient zuerst dem Tier, dann der Faser.

Wann die Schur stattfindet

Hirtenfamilien orientieren sich am Jahreslauf der Anden. Nach der Regenzeit, wenn das Klima trockener und stabiler wird, startet die Hauptschur – traditionell einmal pro Jahr. So wächst dem Tier bis zur kälteren Saison ein schützender Mantel nach. Der Zeitpunkt variiert je nach Höhenlage und Wetterfenster; die Familien stimmen sich eng ab und beobachten Herde, Faserlänge und Witterung.

Wie die traditionelle Schur abläuft

1) Vorbereitung & Ruhe

Am Vorabend richten die Hirten einen sauberen, ebenen Platz her: Matten, Decken oder ein gefegter Lehmboden. Werkzeuge – Handscheren oder leise Schermaschinen – liegen bereit, gut geölt und desinfiziert. Tiere und Menschen starten ruhig; Hektik stresst und mindert Faserqualität.

2) Sanftes Fixieren

Helfer*innen führen das Alpaka zum Platz und fixieren es vorsichtig in Seitenlage – mit weichen Seilen, manchmal mit Stoffgurten. Der Kopf bleibt frei; eine erfahrene Person hält Blickkontakt und beruhigt mit leiser Stimme. Die Haltung verhindert ruckartige Bewegungen und schützt Tier sowie Scherende vor Verletzungen.

3) Vlies „in Partien“

Die Schur folgt einem klaren Muster:

  • Blanket (Rücken & Flanken): liefert die feinste, gleichmäßigste Faser – Basis für Premium-Garne und Baby-Alpaka-Qualitäten (Bezeichnung der Feinheit, nicht des Alters).
  • Hals: etwas kräftiger, ideal für Accessoires oder Mischgarne.
  • Beine/Bauch: robustere Faser für Füllmaterial oder Handwerk.

Sorgfältiges Sortieren direkt am Platz erhöht Qualität und Rückverfolgbarkeit.

4) Scheren mit ruhiger Hand

Die Klinge gleitet nah an der Haut, ohne zu ritzen. Lange, gleichmäßige Züge vermeiden Stufen und schonen die Faserstapel. Erfahrene Scherer arbeiten mit dem Wuchs, nicht dagegen – so entsteht ein sauberes Vliespaket, das sich später leichter ausrichten und waschen lässt.

5) Nachsorge & Dank

Nach der Schur prüft die Familie Haut und Klauen, behandelt kleine Schrammen sofort und setzt das Tier in den Windschatten. Häufig folgt ein kurzer Moment der Stille – ein gelebter Respekt vor dem Tier und seiner Gabe. Erst danach packen alle an: Vlies bündeln, Partien markieren, Platz reinigen.

Warum „Respekt“ mehr ist als ein Wort

Die Schur erzählt vom Miteinander von Mensch und Tier. Familien in den Anden leben seit Generationen mit ihren Herden; Alpakas sichern Milch, Dünger, Faser – die Grundlage des Auskommens. Eine sanfte Schur drückt diese Verbundenheit aus:

  • achtsame Berührung statt grober körperlicher Kraft
  • klare Abläufe statt Improvisation
  • Zeitfenster, die Wetter und Herde berücksichtigen
  • faire Bezahlung und Weitergabe des Wissens an die nächste Generation

So entsteht Faser, die nicht nur luxuriös wirkt, sondern auch eine ethische Geschichte trägt.

Qualität durch Handwerk – von der Wiese zum Garn

Sorgfalt bei der Schur bestimmt das spätere Produkt:

  • Lange, ungebrochene Stapel spinnen ruhiger, pillingtärmer.
  • Sortenreine Partien machen Färbungen satter und Töne beständiger.
  • Sauber geschorene Vliese brauchen weniger mechanische Behandlung – die Faser bleibt soft, mit natürlichem Schimmer.

Moderne Hilfen, traditionelle Haltung

Viele Kooperativen nutzen heute leise Maschinen, aufgelegte Matten und mobile Checklisten. Die Herzstücke bleiben jedoch unverändert: geübte Hände, ein stiller Platz, Respekt. Technik unterstützt, ersetzt aber nicht das Gefühl für Tier und Faser.

Was „Baby-Alpaka“ in diesem Kontext bedeutet

Bei der Sortierung trennen die Familien Faser nach Feinheit. „Baby-Alpaka“ bezeichnet besonders feine Fasern (ca. 19–21 Mikron), häufig aus Rücken- und Halsregion – nicht zwingend von einem Jungtier. Diese Sortierung erfolgt direkt nach der Schur, damit die Top-Qualität ihr besonders zartes, hypoallergenes Profil behält.

Deine Rolle als Käufer

Du unterstützt diese Kultur, wenn du auf:

  • Herkunft (Anden/Peru)
  • faires Handwerk (Kooperativen, Familienbetriebe)
  • Qualitätssortierung (z. B. Baby-Alpaka)

So landet bei dir ein Produkt, das leicht wärmt, weich fällt und eine ehrliche Geschichte erzählt. Stöbere in meinem Online-Shop und lass dich inspirieren von zahlreichen Modestücken, respektvoll geschorener Tiere, wie z.B. Alpaka-Mützen, Alpaka-Ponchos, Alpaka-Schals oder Alpaka-Handschuhe.

Fazit: Schur als Kultur – Wärme mit Haltung

Die peruanische Alpaka-Schur verbindet Tierwohl, Handwerk und Wertschätzung. Einmal jährlich, ruhig und präzise, entsteht ein Vlies, das den Tieren guttut und uns Fasern schenkt, aus denen zeitlose Lieblingsstücke entstehen. In jedem hochwertigen Alpaka-Garn steckt dieses Ritual – leise, respektvoll und seit Jahrhunderten bewährt.

Eliana Janke-Aragon – Gründerin von Etiqueta Blanca

Eliana Janke-Aragon ist mehr als eine Unternehmerin – sie ist eine leidenschaftliche Botschafterin peruanischer Textilkunst. Mit tiefen familiären Wurzeln in Peru, fundiertem Wissen über nachhaltige Produktionsketten und einem feinen Gespür für Design hat sie Etiqueta Blanca zur Top-Adresse für hochwertige Alpaka-Mode gemacht. Ihre Vision: Mode schaffen, die verbindet – Menschen, Kulturen und Werte.

+49 (0)172 5477037


Alpaka-Schur in Peru: Tradition, Tierwohl & Handwerk erklärt